Die Portraitfotografie ist eine der ältesten und beliebtesten Formen der Fotografie. Bedeutende Portraitfotografen wie Yousuf Karsh entwickelten den Stil im Studio mit realistischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen berühmter Persönlichkeiten wie Winston Churchill, Albert Einstein und der britischen Königsfamilie. Später wagten sich die Fotografen aus dem Studio ins Freie und bereisten die Welt. Sie begannen, bei ihren Portraitaufnahmen allein mit natürlichem Licht zu arbeiten.

Die Reiseportraits von Steve McCurry gehören zu den bekanntesten Aufnahmen dieser Art. Sein berühmtes Foto von einem afghanischen Mädchen erschien erstmals auf der Titelseite von National Geographic und ist heute eines der bekanntesten Portraits, die je aufgenommen wurden.

Heute muss man kein Profi mehr sein, um die Techniken der Studio- und Reisefotografie zu nutzen und atemberaubende Portraits von seinen Liebsten zu machen.

Andrea Anderson – www.instagram.com/mama_and_little

Optimale Kameraeinstellungen, Ausrüstung und Technik: Das musst du wissen

1. Verwende das richtige Objektiv

Schöne Portraitaufnahmen kannst du mit jeder Kamera, jedem Smartphone oder Objektiv machen. Professionelle Portraitfotografen verwenden jedoch in der Regel Festbrennweiten mit längeren Brennweiten wie 85 mm. Mit längeren Brennweiten lassen sich außerdem viel schmeichelhaftere Aufnahmen erzielen. Festbrennweiten haben im Allgemeinen eine größere Blendenöffnung, sodass du den Hintergrund deines Bildes unscharf stellen und das Gesicht der Person, die du fotografierst, besser hervorheben kannst. Wenn du mit deinem Smartphone fotografierst, solltest du in den Portraitmodus wechseln. Er ahmt die Eigenschaften einer Festbrennweite nach und sorgt dafür, dass dein Motiv schön scharf und der Hintergrund dagegen unscharf ist.

2. Konzentriere dich auf die Augen

Ein einfacher Tipp: Achte bei Portraitaufnahmen darauf, dass die Augen der Person, die du fotografierst, scharfgestellt sind. Das ist wichtig, denn wie im richtigen Leben sind die Augen einer Person das erste, was uns auffällt, wenn wir ein Portrait betrachten. Beim Fotografieren mit einer digitalen Spiegelreflexkamera oder einer spiegellosen Kamera kannst du punktgenau auf die Augen scharfstellen. Wenn du mit dem Smartphone fotografierst, tippst du dazu einfach auf die Augen. Es kann schwierig sein, auf die Augen einer Person zu fokussieren, wenn du ein Objektiv mit einer sehr großen Blende verwendest (z. B. 1,2 oder 1,8). In diesem Fall solltest du die Blendenöffnung auf 2,8 oder sogar 4 einstellen, damit mehr vom Gesicht scharf abgebildet wird.

Tipp: Einige moderne Kameras und Smartphones verfügen über eine Augenerkennungsfunktion. Schalte sie unbedingt ein, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

3. Fotografiere im Blendenprioritätsmodus

Deine Kamera hat wahrscheinlich einen Modus namens „Blendenpriorität“ oder „Blendenwert“, der häufig als „AV“ oder einfach „A“ angezeigt wird. Dieser Modus eignet sich perfekt für Portraitaufnahmen, denn du kannst die Blende manuell einstellen, während deine Kamera die Belichtungszeit und den ISO-Wert automatisch anpasst. So kannst du deine Portraitaufnahmen beschleunigen und dich stärker auf die Bildkomposition konzentrieren, anstatt dir Gedanken über die Kameraeinstellungen machen zu müssen.

Tipp: Wenn du mit deinem Smartphone fotografierst, lade dir eine Foto-App wie Manual Camera DSLR herunter, um die Blende deiner Kamera einzustellen.

4. Wähle einen niedrigen ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt, wie empfindlich deine Kamera auf Licht reagiert. Ein hoher ISO-Wert kann zu Bildrauschen und Körnung in deinen Aufnahmen führen. Deshalb wähle am besten einen ISO-Wert wie 100 oder 400. Damit kannst du saubere und scharfe Portraits aufnehmen.

5. Fotografiere mit einer Lampe oder neben einem Fenster

Eine gute Beleuchtung ist ein wesentliches Element der Portraitfotografie. Verwende einen Blitz oder ein Fotolicht (am besten mit einer Softbox, um das Licht zu streuen und weicher zu machen). Alternativ kannst du die Person in der Nähe eines Fensters positionieren und das natürliche Licht nutzen, um schöne, natürliche Aufnahmen zu machen. Denk daran, mit dem Einfallswinkel des Lichts zu spielen: Ändere die Position deiner Lampe oder der Person, die du fotografierst, im Licht. Seitlich einfallendes Licht verleiht deinem Motiv ein dramatischeres Aussehen und verstärkt den Eindruck von Tiefe. Fällt das Licht frontal ein, erzielst du hingegen eine gleichmäßigere Ausleuchtung über das ganze Gesicht.

Szenarien, in denen du diese Techniken der Portraitfotografie anwenden kannst

Portraits von Familie und Freunden zu Hause: drinnen und draußen

Wenn du Portraitaufnahmen im Haus machst, solltest du die größtmögliche Blende deines Objektivs verwenden, z. B. 2,8 oder 1,8. So gelangt so viel Licht wie möglich in deine Kamera und du kannst einen niedrigen ISO-Wert von etwa 400 verwenden. Versuche, eine Belichtungszeit von mindestens 1/250 einzuhalten, damit deine Bilder richtig schön scharf werden.

Outdoor-Portraits auf Reisen

Reiseportraits sind immer ein Riesenspaß! Der Schlüssel zu schönen Portraits ist, dass du versuchst, ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen. Verwende dazu eine Blende von etwa 8 oder höher. So stellst du sicher, dass der Hintergrund deines Fotos genauso scharf ist wie das Gesicht der Person, die du fotografierst. Du kannst auch ein größeres Objektiv verwenden, z. B. 50 oder 35 mm, oder dich einfach weiter von deinem Motiv entfernen, damit mehr von der Umgebung im Bild zu sehen ist. Tagsüber sollte genug Licht da sein, um einen niedrigen ISO-Wert wie 400 zu verwenden. Wenn du deinen ISO-Wert jedoch erhöhen musst, solltest du 800 nicht überschreiten, weil dies zu Bildrauschen führen kann.

Gruppenaufnahmen deiner Lieben bei Partys und Familienfeiern

Familienfeiern und Partys mit Freunden sind die perfekte Gelegenheit für Gruppenfotos. Rufe alle zusammen und positioniere sie so, dass sie mehr oder weniger im selben Abstand zur Kamera in einer geraden Linie stehen. Wähle ein Objektiv mit einem weiteren Blickwinkel, also z. B. 24 mm oder 35 mm, damit alle ins Bild passen, oder mach mit deinem Smartphone Aufnahmen im Querformat. Wähle eine Blendenöffnung von etwa 5,6 für Innenaufnahmen oder 8 für Außenaufnahmen, wenn du viel Licht hast. Damit sorgst du dafür, dass alle scharf im Bild sind. Bei Innenaufnahmen, beispielsweise bei Hochzeitsfotos, solltest du einen Blitz verwenden oder alle neben einem Fenster oder einer Lichtquelle aufstellen. Wenn es zu dunkel ist, versuche es mit Aufnahmen im Freien, wo du viel Platz und Licht hast.

Kreative Tipps für Portraitaufnahmen

Die Pose macht’s

Fordere die Person, die du fotografierst auf, verschiedene Posen einzunehmen oder ihren Gesichtsausdruck zu verändern. Vielleicht fühlt sie sich im Sitzen wohler als im Stehen. Lass deine Kinder lustige Grimassen schneiden. Dein Partner kann als Superheld posieren. Schlage der Person vor, einen Arm, ein Bein oder eine Schulter näher zur Kamera hin oder von ihr weg zu bewegen. Demonstriere die verschiedenen Posen, die sie ausprobieren soll, locke schüchterne Personen aus der Reserve und vergiss nicht: Es soll vor allem Spaß machen!

Suche die perfekte Location

Ein sorgfältig ausgewählter Hintergrund kann deine Portraitaufnahmen deutlich aufwerten. Fotografiere deine Kinder zu Hause vor einer farbenfrohen Wand oder lass dich im Garten von der Natur inspirieren. Überlege dir, wo sich dein Motiv am wohlsten fühlt, sei es in seinen eigenen vier Wänden oder am Strand. Probiere ein und dieselbe Portraitaufnahme an mehreren Orten aus. Schau dich einfach um, bis du die richtige Location findest.

Verwende Requisiten

Auch bei Portraitaufnahmen lohnt es sich, Requisiten einzusetzen: zum Beispiel das Lieblingsspielzeug deines Kindes oder die neue Gitarre deines Partners. Es kann auch etwas ganz Einfaches wie ein Bleistift, eine Teetasse oder ein Buch sein. Damit fühlt sich die Person vor der Kamera nicht nur wohler und lockerer, auch deine Bilder werden dadurch dynamischer.

Sorge für die richtige Farbabstimmung

Plane deine Gruppenfotos im Voraus und bitte deine Familienmitglieder oder Freunde, farblich abgestimmte Kleidung zu tragen. Familienportraits wirken zusammenhängender und dynamischer, wenn alle die gleiche Farbe tragen. Entscheide dich für einen Standort, bevor du passende Farben wählst. Wenn du zum Beispiel im Wald fotografieren willst, sind helle Farben wie Gelb und Rot besser geeignet als Grün.

Arbeite mit einem „Catch-Light“

Damit deine Portraits richtig gut wirken, solltest du versuchen, das Licht so auf dem Gesicht der fotografierten Person zu positionieren, dass es in ihren Augen sichtbar wird. Das wird auch als „Catch-Light“ bezeichnet und lässt deine Portraits lebendiger wirken. Stelle dazu einfach sicher, dass das Gesicht der Person, die du fotografierst, direkt einer Lichtquelle ausgesetzt ist. In deiner Wohnung kann das eine Lampe sein und draußen die Sonne. Wenn es zu hell ist, positioniere die Person neben einem Fenster, damit sie nach draußen in die Sonne schauen kann. Für einen besonders gelungenen Effekt solltest du in eine spezielle kreisförmige Portraitlampe investieren. Sie verleiht deinen Porträts einen einzigartigen Catch-Light-Look und das kreisförmige Licht bildet eine natürliche Ergänzung zur Iris der Person, die du fotografierst.

Dreh deine Kamera herum und mache ein Selbstportrait

Befestige deine Kamera oder dein Smartphone auf einem Stativ, um beeindruckende Selbstportraits aufzunehmen. Verwende den Selbstauslösermodus, damit du Zeit hast, dich in Pose zu werfen. Vielleicht kannst du sogar dein Smartphone mit deiner Kamera synchronisieren, um dein Selbstportrait aus verschiedenen Positionen aufzunehmen.

Ein wenig Experimentieren lohnt sich bei der Portraitfotografie, ganz gleich, wen du fotografierst. Denn wer möchte kein atemberaubendes Foto von sich haben? Das Beste daran ist: Je mehr Spaß ihr bei dem Fotoshooting habt, desto natürlicher wirken deine Portraitaufnahmen.

In unserem Blog findest du weitere Foto-Tipps und kreative Inspiration.

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