Makrofotografie geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück und wurde ursprünglich von Fotografen wie Frank Percy Smith für wissenschaftliche Forschung und Bildung entwickelt. Er begann seine Motive im Abbildungsmaßstab 1:1, also in Lebensgröße, zu fotografieren. Dadurch konnte er Insekten und Pflanzen in mikroskopischem Detail zeigen. Seine Nahaufnahme der Zunge einer Schmeißfliege veränderte die Welt der Fotografie für immer und sorgte weit und breit für Erschrecken.

F. Percy Smith in seinem Haus in Southgate, 1. April 1936. IMAGNO / GETTY IMAGES

Es dauerte nicht lange, bis andere Fotografen die Miniaturwelt im großen Maßstab einfingen und atemberaubende Aufnahmen von Schneeflocken und Wassertropfen bis hin zu Schmuck und alltäglichen Haushaltsgegenständen machten. Jedes Foto, das winzige Objekte in extrem hoher Detailgenauigkeit zeigt, kann als Makrofoto bezeichnet werden. Das bedeutet, du kannst deiner Kreativität freien Lauf lassen. Das Schöne an der Makrofotografie ist, dass du noch nicht mal dein Haus verlassen musst, um faszinierende Motive zu finden.

Jamie Price hat sich auf Makrofotografie spezialisiert. Die meisten Bilder nimmt er in seinem eigenen Haus auf. Er fotografiert alles: von Hausspinnen, die aus der Nähe überraschend niedlich aussehen, über Blüten und Blätter bis hin zu seinem Lieblingsspielzeug. Seine Arbeit zeigt, dass man nicht weit gehen muss, um tolle Motive für Makrofotografie zu finden.

Heute werden jeden Tag viele Tausende oder sogar Millionen von Makroaufnahmen gemacht. Dank der Wunder der modernen Technik musst du weder ein Profi sein noch eine professionelle Kameraausrüstung haben, um beeindruckende Makrofotos zu schießen. Alles, was zu dazu brauchst, ist ein Smartphone mit einer guten Kamera.

Optimale Kameraeinstellungen, Ausrüstung und Technik: Das musst du wissen

Wähle das richtige Kameraobjektiv

Wenn du mit der Kamera deines Smartphones Makroaufnahmen machen willst, brauchst du vielleicht ein besonderes Kameraobjektiv. Dafür gibt es Objektive, die du an dein Smartphone anschrauben oder einfach festklemmen kannst. Viele moderne Smartphones verfügen jedoch über einen Makromodus, bei dem du mit dem integrierten Kameraobjektiv bis auf zwei Zentimeter genau fokussieren kannst. Vielleicht hast du also schon alles, was du brauchst, und kannst einfach loslegen.

Du benutzt eine digitale Spiegelreflexkamera oder eine spiegellose Kamera? Dann überlege dir, ob es sich lohnt, in ein Makroobjektiv zu investieren. Diese Objektive sind speziell für Aufnahmen mit sehr kurzer Fokusentfernung gedacht und bieten dir die beste Bildqualität. Es gibt Hunderte von Makroobjektiven zur Auswahl, aber für den Anfang ist eine vielseitige Brennweite zwischen 100 mm und 200 mm empfehlenswert.

Fotografiere im manuellen Modus

Im manuellen Modus hast du die volle Kontrolle über die Einstellungen und das endgültige Bild. Das gilt für Aufnahmen mit der Kamera ebenso wie mit dem Smartphone. Einige moderne Smartphones bieten diesen Modus in ihrer Standard-Kamera-App an. Ist das bei dir nicht der Fall, kannst du eine App wie Moment oder Manual Camera DSLR herunterladen. Wähle eine kurze Belichtungszeit (mindestens 1/125) und einen niedrigen ISO-Wert wie 160 oder 200.

Verwende eine große Blende wie 2,8 oder 4, wenn sich dein Motiv deutlich vom Hintergrund abheben soll, und erzeuge einen weichen Hintergrund durch Unschärfe (Bokeh-Effekt). Mit einem hohen Blendenwert von etwa 16 oder 22 erzielst du jedoch eine größere Tiefenschärfe und es wird viel einfacher, dein Motiv scharf zu stellen.

Arbeite mit manueller Scharfstellung

Wenn du mit einer digitalen Spiegelreflexkamera oder einer spiegellosen Kamera fotografierst, stelle dein Makroobjektiv auf manuelle Scharfstellung ein. Der Autofokus ist zwar bei den meisten modernen Kameras fantastisch, doch bei der starken Vergrößerung eines Makroobjektivs ist es für deine Kamera fast unmöglich einen Fokuspunkt zu finden. Verwende Fokus-Peaking, wenn deine Kamera über diese Funktion verfügt: Dabei erkennt die Kamera scharfe Bereiche und hebt diese auf dem Display hervor, bevor du die Aufnahme machst.

Verwende ein Stativ

Du glaubst, du hast ruhige Hände? Weit gefehlt! Bei der Makrofotografie sind auch die kleinsten Bewegungen am Ende im Bild zu sehen. Selbst Profis verlassen sich deshalb auf Stative, um gestochen scharfe Bilder zu erhalten. Montiere dein Smartphone oder deine Kamera auf ein Stativ und probiere außerdem, den Selbstauslöser zu verwenden, damit du deine Kamera nicht bewegst, wenn du auf den Auslöser drückst.

Versuch’s mit Beleuchtung

LED-Leuchten können einen Riesenunterschied bewirken, egal ob du drinnen oder draußen, tagsüber oder nachts fotografierst. Das Schöne bei der Makrofotografie ist, dass du nur ein winziges Licht brauchst, um deine winzigen Motive zu beleuchten. Es lohnt sich, in ein batteriebetriebenes Licht zu investieren, das du sowohl im Freien als auch in Innenräumen verwenden kannst. Besorge dir außerdem ein Stativ oder eine Klemme, damit du es aufstellen kannst und es nicht halten musst. Du kannst auch speziell für die Makrofotografie hergestellte Ringlichter kaufen, die direkt am Objektiv deiner Kamera befestigt werden.

Beispielszenarios für Makrofotografie

Unbewegliche Motive

Unbewegliche Objekte sind das perfekte Motiv, um deine Fähigkeiten in der Makrofotografie zu verbessern: Versuch’s beispielsweise mit dem Muster deines Teppichs oder den eleganten Linien deiner Lieblingsuhr. Wenn du ein Stativ verwendest, kannst du die hohe Blendeneinstellung deines Objektivs bei 16 oder sogar 22 nutzen. Damit kannst du mehr von deinem Motiv scharf abbilden. Es ist außerdem viel einfacher, unbewegliche Motive zu beleuchten. Das bedeutet, dass du einen niedrigen ISO-Wert wie 160 oder 200 verwenden kannst. Danach kannst du deine Belichtungszeit einstellen: Beginne mit 1/250 und verlangsame sie, bis du mit deiner Belichtung zufrieden bist. Wenn du ein Stativ verwendest, um unbewegliche Objekte zu fotografieren, kannst du extrem lange Belichtungszeiten verwenden und trotzdem scharfe Bilder machen.

Bewegliche Motive

Insekten und andere bewegliche Motive sehen einfach umwerfend aus, wenn sie mit einem Makroobjektiv fotografiert werden. Allerdings ist es gar nicht so leicht, sie im perfekten Moment einzufangen! Selbst wenn du ein Stativ und Beleuchtung verwendest, brauchst du eine ausreichend lange Belichtungszeit, um die Bewegung deines Motivs „einzufrieren“. Für Großaufnahmen von Grashüpfern mitten im Sprung und vorbeifliegende Hummeln verwendest du am besten eine Belichtungszeit von mindestens 1/500. In diesem Fall solltest du eine etwas größere Blende wählen, z. B. 11, um mehr Licht hereinzulassen. Auch der gewählte ISO-Wert sollte höher sein, aber nicht über ISO 800. Alles, was darüber liegt, führt zu Bildrauschen. Es ist in jedem Fall besser, ein helleres LED-Licht zu verwenden, als den ISO-Wert zu stark zu erhöhen.

Kreative Tipps für Makroaufnahmen

Starte in deinem Zuhause

Deine ersten Schritte in der Makrofotografie machst du am besten zu Hause mit unbeweglichen Motiven. Du wirst erstaunt sein, wie fantastisch Alltagsgegenstände aussehen, wenn du sie aus großer Nähe fotografierst. Das gilt für das Muster deines Sofas ebenso wie für die Blüten und Blätter deiner Lieblingspflanzen. Dabei kannst du auch in aller Ruhe den richtigen Umgang mit Stativ, Beleuchtung und Schärfe üben.

Auf in die freie Wildbahn!

Sobald du in der Makrofotografie etwas sattelfester bist, kannst du dich in deinen Garten oder in den Park vorwagen. Probiere es mit ein paar beweglichen Motiven wie Insekten und anderen Schönheiten in ihrer natürlichen Umgebung. Konzentriere dich auf einen kleinen Bereich und schon bald wirst du Lebenszeichen entdecken: Fliegen, Hummeln, Libellen, Würmer und Ameisen. Du wirst erstaunt sein über das bunte Leben, das sich direkt vor deiner Nase abspielt.

Kreative Makroporträts von deinen Lieben

Du fotografierst am liebsten Menschen? Mit deinem Makroobjektiv kannst du atemberaubende Nahaufnahmen von deinen Lieben machen: Kinder oder Partner, Eltern oder Geschwister. Konzentriere dich dabei auf Details statt auf die ganze Person. Beispielsweise kannst du die Iris in ihren Augen so fotografieren, dass sie wie eine neu entdeckte Galaxie im Weltall aussieht. Tattoos und Piercings sind faszinierende Motive. Selbst Nase und Ohren können zu faszinierenden Kunstwerken werden, wenn du Details aus nächster Nähe fotografierst.

Mit dem Essen spielen

Du sollst nicht mit deinem Essen spielen! Wie oft hast du das als Kind gehört. Diese Regel gilt aber nicht für Makrofotografie. Sie ist perfekt, um die saftige Süße und die faszinierenden Farben von Lebensmitteln einzufangen. Zoome an dein Lieblingsobst, an Gemüse und Süßigkeiten heran, um Farben, Oberfläche und Konsistenz hervorzuheben. Auch die sprudelnden Blasen in Limonade sehen spektakulär aus.

Luxuriöse Lieblingsstücke

Profi-Fotografen nutzen Makrofotografie, um Produkte wie Uhren und Schmuck, Elektronik und andere Luxusgegenstände gekonnt in Szene zu setzen. Sammlerstücke, Kunstwerke oder exotische Einrichtungsgegenstände: Zoome an sie heran, um die kleinen Details einzufangen, die du so sehr liebst. Vergiss dabei auch die Lieblingsstücke deines Partners und deiner Kinder nicht! Vom Namensschild deines Haustiers bis zum Lieblingsspielzeug: Es gibt keinen besseren Weg, um die kleinen, liebevollen Details zu fotografieren, die dir am wichtigsten sind.

Du findest Makrofotografie faszinierend? Dann probier’s doch einfach aus! Aber denke daran: Das Wichtigste ist, Spaß zu haben. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Du fotografierst nach deinen eigenen Regeln. Wichtig ist, mit verschiedenen Motiven und Ideen zu experimentieren und: Üben, üben, üben!

In unserem Blog findest du weitere Foto-Tipps und kreative Inspiration.

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