Die Kunstgeschichte steckt voller wunderschöner Stillleben mit Obstmahlzeiten und dem letzten Abendmahl. Und es dauerte nicht lange nach der Erfindung der Fotografie in 1839, dass wir unsere Kameras auf unser Lieblingsmotiv zielten: das Essen! William Henry Fox Talbot’s Foto aus 1845 eines Korbs mit Pfirsichen und Ananas gilt als erstes Foto, welches Essen abbildet.

William Henry Fox Talbot, A Fruit Piece, 1845 – Bild über Wikimedia Commons

Schwarz-Weiß-Fotos von Essen waren in den nächsten Jahrzehnten sehr beliebt, bis Wladimir Schohin die Welt der Fotografie in 1910 beben ließ mit seinem Farbfoto eines geköpften Eis in einem Eierbecher.

Autochrome Eggcup von Wladimir Schohin, 1910 – Quelle

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Schmackhaft schöne Food-Fotos füllten Kochbücher und Werbeanzeigen in der ganzen Welt. Fotografen widmeten ihre ganze Karriere der Kunstform Food-Fotografie.

Mit dem Aufschwung sozialer Medien und mit starken Digitalkameras in jeder Hosentasche (bzw. das Smartphone), wurde sie noch beliebter. Heute ist die Food-Fotografie eine Leidenschaft für Millionen von Menschen, die es genießen, ihre hausgemachten Kreationen und kulinarischen Entdeckungen mit der Welt zu teilen.

 

Alles was du für gute Food-Fotos wissen musst

Fotografiere bei natürlichem Licht

Ob du deinen Brunch in einem coolen Café fotografierst oder dein letztes Backblech mit selbstgebackenen Keksen in deiner Küche, natürliches Licht ist dein Freund. Es ist nicht nur vielseitig und schmeichelnd, aber auch gratis! Deswegen essen viele Food-Blogger mittags statt abends. Wenn du dich für ein Café oder Restaurant entscheidest, suche dir einen Platz am Fenster. Oder wenn du zu Hause fotografierst, platziere deine Speisen zum Fenster, dass zur Sonne zeigt, und mache deine Bilder dort. An einem sehr sonnigen Tag kannst du das Licht mit Gardinen abschwächen, oder du kannst einfach deine Speise etwas vom Fenster entfernen. Brauchst du mehr Licht, kannst du einen Reflektor direkt gegenüber dem Fenster aufstellen, um Licht zurück auf dein Motiv zu reflektieren.

Bonustipp: Vermeide bei der Fotografie von Essen den Blitz, da dies zu harten und unnatürlich aussehende Fotos führen kann.

Benutze ein Stativ

Bei der Food-Fotografie geht es vor allem darum, richtig scharfe und detaillierte Aufnahmen zu machen. Stative machen dies viel einfacher. Sie verhindern das Verwackeln der Kamera, welches durch unsere Hände verursacht wird. Stative gibt es in unzähligen Formen und Größen und sie sind sowohl für Smartphones als auch für große Spiegelreflexkameras erhältlich. Wenn du auf Reisen oder bei Restaurantbesuchen Foodie-Fotos machen willst, könntest du in ein sehr kleines Stativ investieren, welches du direkt auf den Tisch stellen kannst. Für deine eigenen Kochkreationen ist ein großes Stativ die bessere Wahl, da du damit volle Kontrolle über deine Komposition hast.

Halte den ISO-Wert niedrig

Ob du mit einem Handy oder einer professionellen Systemkamera fotografierst, du wirst immer einen niedrigen ISO-Wert brauchen um scharfe und schmackhafte Food-Fotos zu machen. Ein ISO-Wert von um die 400 oder darunter sorgt für saubere Bilder ohne Rauschen oder Körnung. Dies ist für die Food-Fotografie von entscheidender Bedeutung, da du so sichergehen kannst, dass keine Details verloren gehen.

Benutze eine große Blendenöffnung

Eine große Blendeneinstellung, wie f/2.8 oder sogar f/1.8, werden von Porträt- und Modefotograf:innen gerne verwendet. Sie sind schmeichelhafter und lenken den Blick des Betrachtenden auf das Motiv, indem sie den Hintergrund verschwimmen lassen. Mit den gleichen Methoden machst du deine Food-Fotos noch schöner, also öffne die Blende deines Objektivs so weit wie möglich. Umgekehrt solltest du die Blende auf etwa f/8 oder f/11 verkleinern, wenn du alles in deiner Aufnahme scharf abbilden möchtest.

Fotografiere aus jedem Winkel

Manche Gerichte sehen besser aus, wenn sie aus der gleichen Höhe fotografiert werden. Zum Beispiel sehen hochgeschichtete Burger und Pfannkuchentürme noch größer aus, wenn sie aus einem niedrigen Winkel fotografiert werden. Manche Gerichte sehen aber auch umwerfend aus, wenn sie direkt von oben fotografiert werden. Denke nur an bunte Pizzen, Salate und Nudelgerichte. Flache Überkopfaufnahmen wie diese eignen sich auch hervorragend, um mehrere Gerichte gleichzeitig zu fotografieren. Ein Stativ kann bei dieser Art von Aufnahmen sehr hilfreich sein, denn es kann unangenehm und unbequem sein, über einen längeren Zeitraum so zu fotografieren. Das Wichtigste ist, so lange zu experimentieren, bis du den richtigen Winkel für das zu fotografierende Gericht gefunden hast – probiere einige Aufnahmen von unten und einige von oben, bis du siehst, was am besten funktioniert.

Beispiele für Szenarien und Einstellungen für deine Food-Fotografie

Innenaufnahmen in Restaurants und Cafés

Um beim Essen wunderschöne Fotos zu machen, solltest du dich an einen Tisch in der Nähe eines Fensters setzen. Das verschafft dir sofort einen Vorteil, denn so kannst du das natürliche Licht optimal ausnutzen. Außerdem kannst du so einen niedrigeren ISO-Wert (400 oder niedriger ist ideal) und eine kürzere Verschlusszeit (am besten 1/250 und länger) verwenden. Ist die Szene zu hell, nimm deinen Teller in die Hand und stelle ihn auf einen anderen Tisch, der weiter vom Fenster entfernt ist, um deine Aufnahme zu machen. Und schließlich solltest du die Blende so weit wie möglich öffnen, um den Hintergrund unscharf zu machen und das Essen in den Mittelpunkt zu stellen.

Food-Fotografie zu Hause

Die Food-Fotografie zu Hause ist super, da du einfach mehr Kontrolle hast. Bewege das Essen von Raum zu Raum, um der Sonne zu folgen, und teste verschiedene Fensterbeleuchtungen aus. Dein Küchenfenster könnte zum Beispiel perfekt sein, um das Morgenlicht einzufangen, während dein Esszimmer vielleicht am Abend besser beleuchtet ist. Experimentiere außerdem mit Lampen, Diffusoren und Reflektoren, um dein Licht zu formen und zu steuern. Stelle dein Handy oder deine Kamera auf ein Stativ für gestochen scharfe Bilder. Wähle trotzdem eine große Blende, damit der Hintergrund unscharf wird und das Essen im Mittelpunkt steht. Wenn du Licht und ein Stativ verwendest, kannst du einen niedrigeren ISO-Wert (etwa 100 oder 160) und kürzere Verschlusszeiten von 1/500 und mehr verwenden für schöne scharfe Bilder.

Food-Fotografie auf Märkten und Streetfood-Festivals

Die größte Herausforderung beim Fotografieren von Essen auf Outdoor-Märkten und Foodie-Festivals ist das helle Sonnenlicht in dem du wahrscheinlich fotografieren wirst. Gut daran ist, dass du kein Stativ brauchst, da du genug Licht hast, um mit kurzen Verschlusszeiten wie 1/500 und mehr, sowie den niedrigstmöglichen ISO-Wert (z. B. 160 oder niedriger) zu fotografieren. Verwende eine größere Blende wie f/8, um ganze Marktstände scharf abzubilden, oder öffne die Blende auf f/2.8, um ein bestimmtes Motiv scharf abzubilden, während der Hintergrund unscharf wird. Kaufst du dir etwas an einem Imbisswagen oder -stand, dann suche dir einen schattigeren Ort, an dem du dein Essen nicht in der prallen Sonne fotografieren musst.

Kreative Tipps für Food-Fotografie

Werde kreativ mit Requisiten und Styling

Mit dem Styling deiner Szenen und mit kreativen Requisiten kannst deine guten Food-Fotos großartig machen. Versuche zum Beispiel, einige der Zutaten und Kochutensilien einzubinden, die für die Zubereitung des Gerichts verwendet wurden – einen Schneebesen, ein Nudelholz oder ein Kochmesser. Ein Stück frische Zitrone kann ein bisschen Farbe in Fotos eines Zitronenstreuselkuchens bringen. Oder streue eine Handvoll Blaubeeren auf Pfannkuchen, um etwas Farbe und Kontrast zu schaffen. Mit leuchtenden Soßenflaschen und Ölen hellst du den Hintergrund auf. Oder verwende Handtücher und Platzdeckchen, um deinen Aufnahmen zusätzliche Details, Farben und Texturen zu verleihen. Achte immer darauf, dass die verwendeten Farben zu den Speisen passen, die du fotografierst. Denke daran, dass der Star der Show immer das Essen sein sollte.

Stilvoll anrichten

Ob du nun Suppen, Salate, Kuchen oder Steaks fotografierst, schöne Teller oder Schüsseln können Wunder wirken. Runde Teller sind viel einfacher zu fotografieren als quadratische oder rechteckige. Außerdem sind Teller mit hübschen Mustern und leuchtenden Farben perfekt, um schlichte Speisen ansprechender aussehen zu lassen. Versuche, deine Teller auf deine Requisiten und dein allgemeines Styling abzustimmen, um ein stimmiges Bild zu erhalten.

Gewinne Gold mit der Garnitur

Bestreue deine herzhaften Gerichte mit frischen Kräutern und Gewürzen oder gib einen Klecks Salsa drüber. Zerkleinere Pfefferkörner oder hacke Chilischoten und gib deinem Gericht damit den letzten Schliff. Reibe etwas Käse, um ein Nudelgericht aufzupeppen, oder beträufele deine Obstgerichte mit Honig oder Sirup, damit sie glänzen. Das Garnieren deiner Teller ist das Geheimnis für schöne Food-Fotos. Achte nur darauf, dass die Kombinationen auch genauso gut schmecken wie sie aussehen. Scharfe Paprikaschoten sehen zwar toll auf einem Schokoladenkuchen aus, aber das Bild wird nicht richtig wirken, da wir alle wissen, wie seltsam das schmecken würde.

Nimm’s in die Hand

Gib deinen Fotos eine menschliche Note. Frage deinen Partner, Freund oder Kind, eine Gabel oder einen Löffel zu nehmen und zuzugreifen. So kann sich der Betrachtende besser vorstellen, wie es wäre, dein schönes Gericht vor sich zu haben. Achte nur darauf, dass sie nicht alles aufessen, bevor du deine Aufnahmen gemacht hast! Und vergiss nicht, sie zu bitten, ihre Hände und Fingernägel zu reinigen, wenn du nah heranzoomen willst. Fotografierst du alleine, kannst du auch selbst kreativ werden. Beiße von einem oder zwei Keksen ab, oder verteile ein paar Krümel auf dem Teller oder Tisch. Wenn du deine Bilder auf diese Weise noch realistischer gestaltest, werden sie umso verlockender.

Die Food-Fotografie ist perfekt um deine gastronomischen Abenteuer zu dokumentieren, sei es in deiner Küche oder in einem lokalen Café. Scheue dich nicht, die Regeln zu brechen und etwas Neues auszuprobieren. Unsere Eltern haben uns vielleicht etwas anderes beigebracht, aber mit dem Essen zu spielen ist definitiv eine gute Idee!

In unserem Blog findest du weitere Fototipps und kreative Anregungen!

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